Dieser Eprolog dient der Schließung und Öffnung von contemporaryculture. Ich füge den Eprolog zwischen den letzten Eintrag und den folgenden. Er ist quasi wie Käse. Käse, der den Magen schließt und öffnet. Dass sich ein gleichzeitig geöffneter und geschlossener Magen widerspricht, gebe ich zu. Dass man Käse, trotz dieses Widerspruchs, sowohl die Funktion der Öffnung, als auch der Schließung des Magens zuschreibt, ist der Uneindeutigkeit wissenschaftlicher Studien und alltagsweltlicher Selbstversuche geschuldet, die bemüht waren die Folgen von Käseverzehr zu elaborieren. Offensichtlich kann man im Bereich der Käsefolgenabschätzung nicht einmal Schließ- und Öffnungstendenzen ausmachen. Anders ist es bei eindeutig zu beantwortenden Fragen, wie “können Frauen schlechter einparken als Männer”, “machen Computerspiele dumm/gewalttätig/dick”, “macht onnanieren blind” oder “können Frauen schlechter einparken als Männer”. “Diese Fragen sind eindeutig zu beantworten?”, fragt sich der aufmerksame Leser. Natürlich! Egal, welche der obigen Fragen man googelt, man wird eindeutige Antworten finden. Möchte sich etwa ein Heuschnupfenpatient im Internet informieren, zu welcher Tageszeit er am besten joggen gehen sollte, um dem Pollenflug zu entgehen, so erhält er eindeutige Meinungen. Verschiedene eindeutige Meinungen. Sich widersprechende eindeutige Meinungen:

Mal soll man grundsätzlich morgens joggen gehen, mal grundsätzlich abends, mal soll man es davon abhängig machen, ob man in der Stadt oder auf dem Land wohnt, mal soll man auf jeden Fall in der Stadt morgens joggen, mal in der Stadt abends, mal soll man auf dem Land morgens, mal auf dem Land abends joggen.

Das Internet ist eine große Wahrheitsmaschine. Sie versorgt uns mit der Meta-Wahrheit, dass es keine Wahrheit gibt. Oder mehrere.

Ich liebe Bloggen, weil es eine abenteuerliche Reise ist. Ich liebe Bloggen nicht wirklich. Ich dachte mir aber, dass ein Satz, der mit “Ich liebe Bloggen, weil…” anfängt ganz schick daherkommt. Es ist so ein Satz, der im Stern oder im Focus in einem Kästchen oder in Schriftgröße 16/fett abgedruckt werden würde. Häufig sind diese Schriftgröße 16/fett-Sätze, die einzigen Sätze eines Artikels im Stern oder Focus, die man überhaupt (neben der Über- und Bildunterschrift) liest. Abenteuerliche Reise ist außerdem eine schöne Metapher. Sie macht immer was her und stillt Sehnsüchte. Mit der Liebe zum Bloggen ist es so, wie mit der Suche nach der Wahrheit im Internet. Ich liebe Bloggen manchmal, ich hasse Bloggen aber auch manchmal. Und häufig habe ich eine differenzierte (oder wäre hier “ambivalent” das richtige Wort?) Meinung zum Bloggen. Warum ich Bloggen trotzdem liebe (das wäre wohl der Satz für die Überschrift im Focus-Artikel, allerdings ist es relativ schwierig diesen Satz zu beenden). Ich liebe Bloggen auf eine differenzierte Art und Weise trotzdem, weil es eine abenteuerliche Reise ist. (Sicherlich: Den Satz hätte man, um des Reimes Willen umstellen können.) Die abtenteuerliche Reise beinhaltet Unvorhergesehenes: Erlebnisse entfalten sich auf dem Weg, sind ungeplant. Hinter jeder Ecke, hinter jedem Busch lauert etwas Neues und wo man am Ende in welchem Zustand landet, das ist gewiss ungewiss. So ist es mit dem Bloggen auch. Ich schätze, dass in 75 % aller Fälle ein Blogpost mit einem unvorhergesehenen Ende endet. Bloggen: Ungeplant und wild. Bloggen ist assoziatives Schreiben. Man gleitet über die Bahnen des neuronalen Nervensystems - hüpft vom einen zum nächsten semantisch verbundenen Schlagwort (eigentlich wollte ich an dieser Stelle das “limbische System” anbringen - ich weiß allerdings nicht mehr wofür das zuständig ist). Bloggen ist Improvisationstheater mit sich selbst: Nur mit Erklären, ohne Pantomime und ohne malen.

Ich habe einen tieferen Sinn gesucht. Auch einen tieferen Sinn für das Bloggen. Warum bloggst du? Gerade bei Aktivitäten, die mit dem Computer zusammenhängen, gerät man häufig in Argumentationsdruck. Gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst. Wie kann ich legitimieren, dass ich blogge? Oder viel grundlegender: Was ist bloggen eingentlich und warum macht man das? Oft - gerade im Zuge der Einführung neuer Technologien - hilft es Analogien aus dem physischen Leben heranzuziehen, um das Neue zu verstehen. Analogien können hilfreich sein, wenn sie angemessen sind, sie können aber auch problematisch sein, wenn sie unangemessen sind. Ich möchte dies kurz am Beispiel erläutern: Lange Zeit habe ich als tradiertes Analogum für ein Blog die Zeitung oder die Zeitschrift gesehen. Entsprechend habe ich Bloggen mit journalistischem Publizieren analog gesetzt. Dies war ein unangemessenes Analogum, ein problematisches Analogum. Warum dies problematisch ist, wird deutlich, wenn man sich bewusst macht, wie der kognitive Prozess des “Analogisierens” abläuft: Ein Blog wird durch die Analogsetzung mit einer Zeitung nicht zur Zeitung. Vielmehr überträgt man mentale Verknüpfungen, die man bislang mit der Zeitung verbunden hat auf das Blog. So werden Eigenschaften der Zeitung ebenso auf das Blog übertragen, wie Erwartungen, die an Zeitungen gestellt werden. Dies führt zu qualitativen und quantitativen Ansprüchen, die in Anbetracht von Frequenz, Länge und thematischer Fokussierung meiner Blogeinträge für Frustration sorgten. Obwohl ich Texte und Bilder veröffentliche, ist mein Blog keine Zeitung, und obwohl ich Zeichenketten arrangiere, bin ich kein Journalist. Ich erreiche nur eine handvoll Menschen, ich schreibe nur recht unregelmäßig, ich habe keinen thematischen Schwerpunkt.

Nachdem ich also festgestellt hatte, dass die Analogie Zeitung/Zeitschrift - Blog für meine Zwecke unangemessen und problematisch ist, machte ich mich auf die Suche nach neuen, passenderen Entsprechungen. Und ich habe sie gefunden: Auf die Frage, warum bloggst du springe ich nun nicht mehr auf den “weil jeder heutzutage Journalist sein kann” Zug auf, sondern stelle andere Vergleiche an: Bloggen ist so etwas wie Lesen oder Kreuzworträtsel lösen, so etwas wie ein Bild malen oder eine SMS schreiben. Es ist eine Freizeitbeschäftigung, die Spaß bereitet.

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Posted in Allgemein, Medienwandel at April 24th, 2010. 3 Comments.

Da beteilige ich mich doch mal bei der Aktion von Kai Müller vom Stylespion mit dem Titel

. Es geht darum seine deutschsprachigen Lieblingsblogs zu publizieren. Here we go:

Blogs in meinem Feedreader:

Blogs die ich sonst unregelmäßig lese

Posted in Medienwandel at April 21st, 2009. No Comments.

Das Internet verdrängt zunehmend alle anderen Medien. — Dieter Gorny in DB Mobil (03/2009)

Posted in Kulturelle Artefakte, Medienwandel, Zitate at März 24th, 2009. 13 Comments.

Die Medien sind über Nacht alt geworden, und dafür hassen sie die Jugend. — Haco, Kommentator auf Stefan Niggemeiers Blog (03/2009)

Posted in Medienwandel, Zitate at März 17th, 2009. 2 Comments.

Es ist vorbei. Zoomer.de, das Web 2.0-Nutzer-generieren-Nachrichten-Portal wird dichtgemacht. Noch im vergangenen Jahr versuchte Frank Syré, Chefredakteur der Online-Zeitung, im Rahmen einer Podiumsdiskussionm, die von unserem Fachschaftsrat organisiert wurde, dem interessierten Web-affinen Publikum einzureden zu erklären, warum das Konzept von Zoomer unheimlich Web 2.0 ist.

Das tolle sei, so Syré, dass die Zeitungsleser Zeitungsnutzer mitbestimmen können, wie wichtig ein Artikel ist. Berechnet wird die Bedeutung eines Artikels nicht mittels eines differenzierten Ratingsystems, das für die Bereiche “Unterhaltungswert”, “gesellschaftliche Relevanz” o. ä. verschiedene Skalen bereit hält, sondern - Achtung, Innovation! - durch die Seitenaufrufe, also die Klicks pro Artikel.  Wenn also beispielsweise ganz viele Leute auf den Artikel “Hochhausbrand in Peking: Feuerwerk war Schuld” klicken, weil sie das Bild mit dem brennenden Hochhaus interessant finden, dann wird dieser Artikel nach oben gespült. Unabhängig davon, ob die Leser den Artikel tatsächlich als den wichtigsten oder relevantesten Artikel einstufen würden.

Der Mängel im Rating-System war man sich bei den Holtzbrinck-Jungs von Zoomer wohl bewusst. So baute man einen Regulator ein: Die Relevanz der Artikel wird nicht nur von den Nutzer-Klicks eingestuft, sondern auch die Redaktion kann jedem Artikel einen Relevanz-Wert zuweisen. (Vielleicht merkte man auch, dass es zu den journalistischen Leistungen gehört Informationen nach ihrer Relevanz zu bewerten.)

Insgesamt kann ein Artikel 10 Punkte bekommen. 5 von der Redaktion, 5 durch die Nutzer-Klicks. Ob dieses Konzept die Nutzer als Beteiligte tatsächlich ernst nimmt stelle ich dabei mal in Frage und der Mehrwert eines solchen Angebots ist auch begrenzt. Ich glaube, dass diese Alibi-Hybrid-Lösungen, die versuchen ein digitalisiertes klassisches Medienformat, wie die Zeitung, mit den Prinzipien des Web 2.0 zu verschmelzen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Auf der einen Seite geht es um aufwendige Recherche und Orientierungshilfe, auf der anderen Seite um Offenheit für eine Masse von flexiblen Informationen und soziale Vernetzung.

Bezeichnend dafür wie Nutzergeneriert die News bei Zoomer sind, ist die Reihenfolge der zehn Top-Artikel am gestrigen Abend:

  1. Billionen-Programm: Wie die USA die Krise meistern wollen (Redaktion: 4,8; Klicks: 4,3; Kommentare: 1)
  2. Einfühlsam mit norwegischer Gelassenheit: “Glowing Stars” (Redaktion: 4,6; Klicks: 4,3; Kommentare: 10)
  3. Hochhausbrand in Peking: Feuerwerk war schuld (Redaktion: 3,7; Klicks: 4,5; Kommentare: 18)
  4. Wenn die Titanic absäuft braucht man Rettungsbote (Redaktion: 4,3; Klicks: 3,5; Kommentare: 11)
  5. Äthiopien kaut Khat und wird träge (Redaktion: 3,1; Klicks: 4,3; Kommentare: 17)
  6. Sozialhilfe für Achtlingsmutter - Oma sauer (Redaktion: 3,2; Klicks: 3,8; Kommentare: 18)
  7. Ballack und Bierhoff haben sich wieder lieb (Redaktion: 3,1; Klicks: 2,8; Kommentare: 79)
  8. Es ist vorbei: Zoomer.de geht bald offline (Redaktion: 0,7; Klicks: 5,0; Kommentare: 320)
  9. Obama will Atomwaffen verschrotten (Redaktion: 2,6; Klicks: 3,0; Kommentare: 52)
  10. Sterbehilfe: Italienische Koma-Patientin tot. (Redaktion: 2,7; Klicks: 2,3; Kommentare: 38)

Mittel- und langfristig könnte ich mir gut vorstellen, dass sich zwei online-Angebotstypen  ausdifferenzieren werden:

  • Typ A: Zum einen professionelle digitale Medienangebote, die den klassischen Zeitungs- und Rundfunkangeboten entsprechen: Eine Redaktion oder ein Redakteur beobachtet, verarbeitet, sortiert, produziert, veröffentlicht und archiviert Informationen und Meinungen. Das heißt nicht, dass die Anbieter nicht auch Plattformen vom Typ B für ihre Informationen nutzen könnten. Allerdings kommt es nicht auf die Menge der Informationen an, sondern auf deren Auswahl und Orientierungsqualität (Z. B. Online-Zeitungen, Blogs, Video-Blogs, Podcasts).
  • Typ B: Zum anderen Plattformen, auf denen unendlich viele Daten - ohne Filter - veröffentlicht und begutachtet werden können. Hier kommt es auf die Masse an Informationen an, wobei das nicht gleichzeitig einen Qualitätsverlust bedeuten muss. Das Prinzip und die Nutzung ist einfach ein anderes (Beispiele für solche Angebote: YouTube, FlickR, Delicious)

Dass es sinnvoll oder überhaupt möglich ist, die beiden Prinzipien miteinander zu verschmelzen, halte ich für fragwürdig. Ein Zwischenweg - keine Hybridlösung! - ist die sogenannte Peer-Production, wie sie etwa bei Wikipedia und Einestages.de betrieben wird oder auch das Angebot von Neon, bei dem User-Generated-Content neben redaktionellen Inhalten steht.

PS: Ein tolles Angebot Stile von Typ A ist das Zeug von BalconyTV!

Posted in Allgemein, Medienwandel at Februar 11th, 2009. No Comments.

Die ultimative Hit-Parade der personalisierten online-Werbungs-Ergebnisse. Echt user-generated! Man beachte die politisch nicht ganz korrekte Dramaturgie der personalisierten Online-Werbung:

Suchwort: Musik

Suchwort: Nationalsozialismus

Suchwort: Jesus

Suchwort: Büstenhalter

Suchwort: Christ

Suchwort: Nazi

Zum selber nachspielen, hier der Link: http://de.thefreedictionary.com/

Posted in Kulturelle Artefakte, Medienwandel at Januar 26th, 2009. 1 Comment.

Liebe Freunde,

habe gerade beim Pausieren vom Pausieren auf der Startseite der ZDF-Mediathek (”Empfehlungen der Redaktion”) drei audiovisuelle Leckerbissen gefunden:

  1. Being W. (Satirischer Dokumentarfilm eines französischen Filmemachers über die Polit-Karriere George Ws)
  2. Ein Mann, ein Fjord (Der Film zum Buch von Hape Kerkeling. Laut irgendeiner Kritik, die ich in den letzten Tagen gehört habe, soll der Film zwar einige nicht ganz lustige Stellen haben, im Großen und Ganzen aber lustig sein.)
  3. Elektrischer Reporter - Digitaler Aktivismus

PS: Muss bald mal wieder über Mediatheken, Granularität und die Idle-Time während der Arbeit schreiben.

Posted in Kulturelle Artefakte, Medienwandel at Januar 23rd, 2009. No Comments.


Mein Blog erfreut sich in der Regel 1-20 Besuchern pro Tag. Zur Illustration der Möglichkeiten, die soziale Netzwerke zur Diffusion von Informationen (sowas wie die Telefonlawine bei den drei Fragezeichen) bieten, habe ich letzte Woche in meiner Statusnachricht beim StudiVZ auf meinen Blog verwiesen. Prompt entstand der Peak in der obigen Grafik. Zu beachten ist hierbei, dass der Telefonlawinen-Effekt ja eigentlich noch gar nicht eingetreten ist. Hierzu hätten meine StudiVZ-Freunde meine Statusnachricht ebenfalls publizieren müssen, woraufhin ihre Freunde den Blog besucht hätten und dann hätten diese Freunde, … und so weiter.

Scho’ interessant, gell?!

Posted in Medienwandel at Dezember 11th, 2008. 5 Comments.

Ein großartiger Artikel von Stefan Niggemeier. Er skizziert pointiert die Schwächen und Probleme der online Auftritte von Print-Zeitungen: Nicht vorhandene Nutzerorientierung in der Aufmachung, News-Spamming und fehlende Selektion.

Posted in Allgemein, Medienwandel at September 10th, 2008. No Comments.

Während sich die halbe Medienwelt vordergründig noch vor dem Internet und den Veränderungen, die es mit sich bringt fürchtet, werkeln die großen Fernsehanstalten daran ihre Angebote auch über die Internetleitung abrufbar zu machen. Zeitungen und Zeitschriften bieten ihren Text-Content ja bereits seit einigen Jahren komplett online an - teilweise kostenfrei, teilweise kostenpflichtig. Nahezu ausnahmslos sind auch alle Radiosender online verfügbar. Die Folgen sind weder das Ende der professionellen “Qualitätsmedien” oder das Ende des gedruckten Wortes, wie es von vielen konservativen Medienmachern prophezeit wurde.

Nur das Fernsehen ließ mit der Umstellung auf Internetfähige Angebote auf sich warten. Doch der Druck, den Angebote wie YouTube oder AlluC auf die TV-Stationen machen zeigt Wirkung. Nachdem das ZDF letztes Jahr auf der IFA seine “Mediathek” promotet hat, stellen verschiedene Sender ARD-Rundfunkanstalten mittlerweile nicht nur ihre Sendungen online, sondern bieten ihr komplettes Programm im Live-Stream an (HR Fernsehen, KIKA). Daneben existiert Software, wie etwa Zatoo, die es bereits möglich macht verschiedene Sender über das DSL-Kabel zu empfangen.

Der strukturelle Wandel wird wohl überschaubar sein: Schon seit langer Zeit kann man via Satellit alle Sender der Welt quasi kostenlos empfangen, TV-Karten für den PC gibt es auch schon seit langem. Fraglich bleibt, was mit den Füllsendungen (call-in, ) passieren wird, wenn die Zuschauer “on-demand” eine Sendung mit mehr Unterhaltungs- oder Informationsgehalt auswählen können.

Posted in Allgemein, Medienwandel at Februar 10th, 2008. No Comments.