Aus verschiedenen aktuellen Anlässen, mein Nachtrag zu Weihnachten:
Vor ungefähr zweitausend Jahren soll es passiert sein: Gott wurde Mensch in Jesus. Denn so sehr hatte er die Welt und alles was auf und in ihr war lieb.
Warum nun entwickelt sich mancher Mensch zum Un-, zum Nicht-Menschen, wenn er sich das Siegel Christi Prädikat Christ auf die Brusttasche steckt oder an die Heckscheibe seines Kraftfahrzeugs klebt? Warum beginnt er den Fehler im Nächsten, im Anderen zu suchen anstatt ihn zunächst einmal lieb zu haben und anzunehmen - so wie er ist? Zunächst und nochmal zunächst und nochmal zunächst und immer weiter. Warum ist er bestrebt die Welt zu sortieren in WIR und DIE und ‘cui bono’ - wem nützt dies? Ist es nötig, um die zu bekehrenden Heidenscharen klarer ins mentale Gatter zu pferchen und ihnen dann mehr schlecht als recht ‘den Herrn Jesus lieb zu machen’? Hat man Angst der Himmel sei zu klein für alle? Vielleicht ist es auch Missgunst, die aus falsch verstandener Nachfolge, einem fanatischen Regelglaube, resultiert: “Wenn ich mich hier abmühe vorzugaukeln sicheren Schrittes auf dem schmalen Pfad entlangzuschreiten, dann will ich nicht, dass der vermeintlich Andersartige das Gleiche bekommt wie ich.” Oder ist es das was sich Bekehrung schimpft und nicht zur Umkehr, sondern zur Abkehr entartete? Man möchte dem ein oder anderen zur Verbrüderung zurufen: “Sünder, Sünder, wir waren, sind und bleiben doch alle Sünder!” Der eine mehr, der andere weniger ’stets bemüht’. Aber doch geliebt, befreit zum Sünder sein und gleichzeitig davon befreit. Entkrampfe und werde Mensch! Weg mit der tiefsitzenden Menschenfeindlichkeit, die nicht nur auf den anderen bezogen ist, sondern auch unbarmherzig den Menschen im ‘alten’ und ‘neuen’ Ich verneint! Barmherzigkeit fängt nicht erst beim Nächsten an. Weg mit dem Nihilismus der uns umgibt. Erst der echte, menschliche Sünder kann dem menschlichen Sünder liebevoll begegnen, nicht der sich selbtst - den Menschen - verneindende heilig-Scheinende. So sagt es die Weihnachtsgeschichte: Gott hat sich nicht nur herabgelassen sondern ist Mensch geworden, um dem Menschen in Liebe zu begegnen und ihn aufzufordern es ihm gleich zu tun, ihm nachzufolgen, damit’s ‘was wird’ mit der Welt, die ihm am Herzen liegt.
Um es frei nach Gerrit mit Luther zu sagen: Sei befreit, befreit tapfer zu sündigen und noch tapferer zu glauben. Werde Mensch und hab die Welt lieb.
Tags: Irrglaube, Kirche, Weihnachtsgeschichte


Januar 6th, 2009 at 17:37 #Lydia
Die Abgrenzung, die du beschreibst, kommt ja nicht nur von den Christen. Auch aus einer Erwartungshaltung heraus, wie ein Christ zu sein hat. Vielleicht nimmt der Christ das als Anlass scheinbar großmütig die „anderen“ eines besseren Lebens belehren zu wollen. Es wird schließlich von ihm erwartet. Dabei ist er eigentlich nur überheblich. Die Abgrenzung findet im Leben eines jeden Menschen statt, nämlich dann, wenn er sich für oder gegen Gott entscheidet, wann und in welcher Form und wie oft das auch immer passieren mag. Allerdings ist das eine persönliche Sache und sollte nicht dazu führen sich selbst –egal für welchen Weg man sich entscheidet- über den anderen zu stellen. Im Gegenteil: Gerade ein Christ sollte doch erkennen, dass er keineswegs besser als jemand anders ist, sondern nur durch Gnade allein seine Sünden bekennen darf und zu jemandem wird, der Vergebung empfängt (und diese im Übrigen weitergeben sollte) Und das immer wieder neu und in dem Bewusstsein, dass er nichts dazu tun kann. Wenn er dieses erkennen würde, dann wäre es ihm unmöglich sich über andere zu erheben, die nicht den Weg gehen, den er eingeschlagen hat.
Januar 8th, 2009 at 21:56 #Lucien
Oh, das ist interessant. Ein Missverständnis sollte aber entkräftet werden: Die meisten Religionen (auch das Christentum) sind eben nicht frei interpretierbare Inspirationsquellen für ein besseres Leben. Glaube ist Wahrheit. Drunter macht es kein wirklich Gläubiger. Wahrhaft gläubige Christen (Juden, Moslems…) beanspruchen, absolut im Recht zu sein. Bei Christen und Moslems kommt noch die Missionierung Andersgläubiger dazu. Ein wahrhaft Gläubiger muss sich quasi über Andere stellen, anders als die interessierten, aber eigentlich ungläubigen “Kultur-Christen”. Und ob das “über Andere stellen” nun in direkter Form daherkommt oder in Form eines herablassenden Mitleids (”ich bin nicht besser, aber ich bin begnadet, und Du nicht, Du arme Sau!”), ist egal. Und ja: Barmherzigkeit sollte wirklich bei einem selbst anfangen. Auch so ein krummes Ding im Christentum.
Januar 15th, 2009 at 22:45 #Mathis
Hi! Ich habe gesehen, du hast das Bild des schmalen Pfades ohne das Auge im Dreieck genommen! Guter Artikel zu dem Thema!
Januar 17th, 2009 at 17:23 #Nils
@Lydia: Ich vermute Abgrenzung hat auch häufig etwas mit fehlendem Selbstbewusstsein (im Sinne von “Identität” / “was glaube ich eigentlich”) zu tun.
@Lucien: Ich weiß nicht, ob “Glaube” = “Wahrheit” ist bzw. was Wahrheit überhaupt sein soll. Ich für mich gehe z. B. davon aus, dass es so etwas wie Gott gibt, weiß es aber nicht, könnte es weder falsi- noch verifizieren. Aus dem “Glauben” schöpfe ich das Vertrauen/die Hoffnung, dass es schon gut werden wird, dass vielleicht doch nicht alles in meiner/des Menschen Hand liegt und dass das Leben, wie wir es kennen, vielleicht noch nicht alles war. Aus der zentralen Botschaft Christi leite ich mir einen Richtwert für mein Leben ab: Das Gebot der Liebe. Ich habe aber kein gesteigertes Interesse an einem privilegierten Zugang zum Himmel (falls es einen gibt) und zweifle an jeglicher menschlichen Deutungshoheit, die mir erklären will, wer denn nun da rein kommt und wer nicht. Stelle mir vielmehr vor, dass alle erwählt sind.
@Mathis: Danke! Mist, das Bild mit dem C.I.A./Illuminati/whatever-Dreieck wäre natürlich noch besser gewesen